Frei-herrliche Gedanken



Karl Theodor und Stephanie,


nachts auf dem Liebeslager:


Sie fällt in Traumes Lethargie,


er fühlt sich als Versager.




Gedenkt, ganz ohne Illusion,


der eig‘nen momentanen


gesellschaftlichen Position


im Lande seiner Ahnen




Wie drüben man mit ihm verfährt


ist Willkür nach Belieben.


Er schrieb einst ab, das ist geklärt:


Nun ist er abgeschrieben!




Doch halt – er sieht ein schwaches Licht


am Horizont erstehen:


In Brüssel schmäht man ihn noch nicht,


dahin darf er jetzt gehen.




Passt gut in den Beraterstab


der höheren Instanzen.


In Brüssel schreibt man manches ab,


und zwar nicht nur Finanzen.




Er freut sich schon: In dieser Stadt


trifft er auch Existenzen,


die man dorthin belobigt hat,


um Schaden zu begrenzen.




Und denkt, eh‘ er in Schlummer sinkt -


nicht ganz ohne Sarkasmus:


Die Karriere, die mir winkt,


ersetzt manchen Orgasmus.