Landidylle
Samstagmittag, alle Pflichten
sind getan, jetzt will ich dichten
Wollen ist noch nicht vollbringen,
wo find' ich, vor allen Dingen,
einen Ort hier, einen schönen,
wo ich kann der Muse frönen?
Dafür eignet sich, ich glaube,
hinterm Haus die Gartenlaube.
Solche schöne Landidylle
hat, gepaart mit Dichterwille
der Welt schon hohe Kunst beschert,
gepriesen, überall verehrt.
Setz' mich nieder mit dem Sinnen,
großes Werk wohl zu beginnen,
da tönt von rechts ein Rasentrimmer,
Nachbar Klein, der macht das immer,
scheint die Sonne samstags satt,
kein Grashalm eine Chance hat.
Das kann mich noch nicht empören,
ein Genie lässt sich nicht stören
von solch profanem Ungemach.
Ich grübele und denke nach.
Was reimt sich denn noch auf Fakt?
Hoppla, ich komm' aus dem Takt.
Werd' von dem Schaffen beinah träge,
da schallt von links die Motorsäge,
die Nachbar Schmidt grad heut' benutzt,
weil er die große Linde stutzt.
Ich schaue leicht entnervt nach drüben,
gewillt, noch Toleranz zu üben,
da hör' ich plötzlich schrille Töne,
das sind Lindenbeck und Söhne:
Die Kreissäge kommt in Aktion,
fürs Winterholz – wen stört das
schon!?
Doch als wenn das alles wäre -
drauf ertönt die Heckenschere
mit dem klappernden Getöse.
Langsam werd ich aber böse.
Das geht wirklich auf den Wecker -
und jetzt kommt noch Schneiders Trecker
der das Kleinholz dann wegfährt
und auch sonst, was sich nicht wehrt
Egal, so ist's, bei uns im Ort
tobt Höllenlärm in einem fort,
denn der liefert den Beweis:
Hier herrscht Ordnung noch und Fleiß.
Muse, Künste und mein Dichten
sind von Wichtigkeit mitnichten,
wo weit im Umkreis jedermann
doch
echte Arbeit zeigen kann.
Ich denk „was soll's?“ mach mir
nichts draus
und hol' die Oropax heraus.
Doch mit Stöpseln in dem Ohr
bringe ich nicht mehr hervor
als nur Reime, echtes Dichten
lässt sich so niemals verrichten.
Womit ihr also hiermit wisst,
dies Gedicht ist wie es ist:
Ein
Meisterwerk nur zweifelhaft
doch Schuld hat nur die Nachbarschaft.
