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Dichtungen zum Zeitgeschehen 2006

An den Winter (im März 2006)

Hallo, Winter, ich denke es reicht
du zeigst dich nicht lax, du zeigst dich nicht seicht
du zeigst dich unverblümt uns allen
doch finden an Blumen wir mehr Gefallen
du bist so unverbesserlich
doch alle finden kesser dich
so zwischen Weihnacht und Neujahr
nur - meistens bist du dann nicht da
und lässt statt dessen vor den Türen
uns milde Frühlingslüftchen spüren
Rückblick beiseite, jetzt im März
ist Dauerschnee ein schlechter Scherz
wir haben Schnee genug gefegt
sind für Scherze nicht mehr aufgelegt
die Stärke liegt, du musst verstehn
darin, zur rechten Zeit zu gehn
Also, Winter, zeig' dich wacker
und mach' endlich dich vom Acker!



Von Bruno Bär

Als Bruno in unser Leben drang
war sonst nichts mehr von Belang,
was vorher noch Schalgzeilen machte,
wovon man sprach, woran man dachte,
war ab sofort zurückgestellt
zugunsten einer Teddy-Welt
Die Medien hatten was gefunden,
einen Bären uns hier aufgebunden,
doch dieser war mal Wirklichkeit
und er kam wohl zur rechten Zeit:
Sonst hatte Themen man genug,
wie Leistungs- und Sozialbetrug,
die ungerechte Mehrwertsteuer
wie alles immer mehr wird teuer
Opel streikt und Ford entlässt,
was sagt Stiftung Warentest?
Ziemlich vorne weg im Jahr
allein die Vogelgrippe war
ein Drama über längere Zeit,
das einzige Thema weit und breit,
doch dann gab's alles das nicht mehr,
man hatte ja jetzt Bruno Bär!
Der war ein merkwürdiges Tier,
das ohne Visum und Papier
im Mai die Grenzen übertrat,
dafür nicht um Erlaubnis bat,
was besser er getan wohl hätte,
dann hätte man ihn - jede Wette-
geleitet höflich und galant
zurück ins Bären-Heimatland
oder vielleicht auch irgendwo
in einen kleinen deutschen Zoo.
Dort hätte man ihn dann bewundert,
den ersten Bär seit über hundert
Jahren, der hier drehte die Runden,
wie hätte man das schön gefunden!
Doch nein, der Bär war so vermessen
einfach Schäfchen aufzuessen,
und manche hat er nur gerissen,
danach nicht mal kaputtgebissen,
er hat sogar die Bienen gestört,
hat man so was schon gehört!
Einem, der so schlecht erzogen
zeigte man sich nicht gewogen.
Zum guten Schluss er es so wollte,
sich arglos vor 'ner Hütte trollte,
da war's mit der Geduld vorbei,
was folgte war ein Schuss - kein Schrei.
Schnell wurde dann das Thema flau,
heut weiß man nur noch nicht genau
was mit Bruno noch passiert,
ganz sicher wird er präpariert
und lebensgroß zu sehen sein
auch wird er freuen Groß und Klein,
gepierct mit Knopf, wie viele hier
als zuckersüßes Kuscheltier.
Vielleicht man ihn mal hört und sieht,
in einem Film, in einem Lied,
bald brummt er wohl als Klingelton,
man sieht ihn auch auf Handys schon,
doch ganz sicher ist der Bruno-Wicht
heut gut genug für meine Gedicht!

(Juli 2006)




Neues von Holzköpfen

Im Sommerloch wie diesem hier
erzählt man aus dem Waldrevier
und weil das Loch sehr tief wohl ist
bespricht man auch den letzten Mist:
Sauerländer Holzabhauer
waren neulich mächtig sauer
ob des Zustroms auf die Wälder,
wollen hierfür künftig Gelder.
Weil die Waldbesucher pflegen
bei Tritt und Fahrt auf Wanderwegen
diese leicht zu ramponieren
und mit Unrat zu verzieren
woll'n die Besitzer dieser Wege
Bares sehn für deren Pflege:
Bald wird's Kassenhäuschen geben
um die Waldmaut zu erheben.
Doch gründlich geht der Deutsche ran,
so muss der Mountainbiker dann
ob der Dicke seiner Schlappen
mehr als Sportradler berappen.
Sollte man der Jogger viele
nicht vielleicht auf die Profile
ihrer Schuhe untersuchen
und das gleich im Preis verbuchen?
Nordic-Walking wird dann teuer,
denn für Stöcke zahlt man Steuer.
Doch wo Trecker Stämme huben,
in den Boden Furchen gruben,
zum Profit der Waldbesitzer,
doch zum Leid der Hobby-Flitzer,
derer tausend das nicht schaffen,
solche Löcher, die da klaffen,
wird das Ganze bloß zur Farce
von Holzköpfen - so, das war's!

(Juli 2006)



Urlaubsgefühle

Wo viele grad an Urlaub denken
da fiel Politikern bloß ein
denselben künftig zu beschränken,
streng rationiert sollte er sein

Wie sollen wir denn Urlaub nehmen,
so etwas ist schon lange her
und mehr etwas für die Bequemen,
doch das ist heut' fast keiner mehr

Manch einer ist sich schon im Klaren:
Um Urlaubsanspruch zu erreichen
wär'n Überstunden von drei Jahren
vorher erst mal auszugleichen

Oder er müsste - was nicht ist -
ein Jahr durchweg beschäftigt sein,
doch man kündigt ihn kurz vor der Frist
und stellt ihn danach wieder ein

Und haben wir mal freie Tage,
das kommt hier und da schon vor,
so legen wir uns - keine Frage -
dann noch lange nicht aufs Ohr

So am "Frei"-Tag, welch ein Hohn,
spuckt man nochmals in die Hände,
denn der Zweitjob wartet schon
und zwar an jedem Wochenende

Pflegearbeit, flott wie nie
ist so eine Variante,
auch in der Gastronomie
Service für manch reiche Tante

Will jemand Kräfte sich bewahren,
der von Geldnot wird getrieben,
kann er statt dessen Taxi fahren
oder Telefondienst schieben

Nicht nur an Urlaubstagen sparen -
in Verruf an sich gerät er,
wie kann man nur in Urlaub fahren?
Man muss erst vorsorgen für später!

Ein Politiker, der so vermessen
fordert unseren Verzicht,
hat er wohl Bildung je besessen?
es bleibt wohl zu vermuten nicht

Wird "carpe diem" zu verstehen,
was heißt "Lebe den Augenblick"
über den Verstand ihm gehen?
Ja, so ein Spruch ist heut nicht chic!

Doch diesen Augenblick wir leben,
weil wir's genau verstanden haben
und schicken vor die Tür dann eben
demnächst, die uns das Recht begraben.



Hier habe ich mich der Herausforderung gestellt
ein Gedicht zu machen, 16 Zeilen, in dem sich
alle Zeilen aufeinander reimen, jedoch kein Reim
doppelt vorkommt:
Saison - aden


Der Herbst, er treibt Eskapaden,
Wind, Regen und Nebelschwaden
hält Blätter am dünnen Faden
und Matsch dringt bis an die Waden

Im Winter da liest man Balladen
und stöbert viel in Schubladen,
sucht für Karneval Maskeraden
und die Bäume sind schneebeladen

Der Frühling macht neu die Fassaden,
man tritt öfters in Kuhfladen
die Frösche, sie quaken Tiraden
und kommen durch Autos zu Schaden

Der Sommer, die Zeit der Nomaden
auf den Highways und Promenaden
ist die Zeit, wenn bei Hitzegraden
man nichts anderes will als baden


Winter-Blues

Ich hab den Blues
den Winter-Blues
blue blue blue
only you
can break my shoe
my old brown shoe

lasst mich in Ruh
mit eurem Schmu
ich mach mich zu
partout
weiß nicht was ich tu
was sagst du
dazu?

Ich hab den Blues
den Winter Blues
tritt mir nicht auf den Fuß!
ain't got no use
'nen schönen Gruß!
(und jetzt ist Schluuuuß)