Urlaubspläne


Urlaubspläne

Draußen wird’s schon deutlich kälter
und das Jahr an Tagen älter,
die Erholung scheint schon weit,
aus der schönen Sommerzeit.
Damit mich die Schwermut nicht
hart ergreift, such ich das Licht
am Horizont und mach' mich dann
an die Urlaubspläne ran.
Wo solln wir nächstes Jahr hin fahr'n?
Am besten wo wir noch nicht war'n:

Töpferkurs in der Toskana,
und auf Korfu Ikebana,
eine Selbsterfahrungstour
von China bis nach Singapur
oder Foto-Großwildjagd
ist urlaubstechnisch angesagt.
Mit dem Fahrrad durch die Anden,
nach Kentucky zu Verwandten,
oder Badeurlaub nah,
diesmal nur Antalya.

Amazonas mit Recife
wär vielleicht Alternative.
Bei St.Moritz steile Piste
steht im Winter auf der Liste,
sicher liegt genügend Schnee,
doch wichtiger ist das „apres“.
Kurzurlaub in der Provence
gibt die richtige Balance
und weil's gut ist für die Seele
pilgern wir nach Compostele.
Halt – das endet doch mit „a“!
Hape, der war auch schon da.

Mag man's rau und ohne Hitze
stehn ganz oben an der Spitze
von den besten Angeboten
die Hebriden, die Lofoten,
und dann geht’s noch für den Rest
des Urlaubs hoch nach Hammerfest.

Verkalkuliert - die Zeit ist um,
so lässt man dann das Baltikum
links liegen und fährt ohne Pause
so schnell es geht zurück nach Hause.
Kaum im Alltag angekommen
fühlt man sich noch leicht benommen
von dem vielen Autofahren
und so denkt man sich nach Jahren
des Urlaubs in ganz weiter Ferne
eigentlich würd' man auch gerne
im Urlaub mal in Deutschland bleiben
und sich nett die Zeit vertreiben:
Ein Appartement an der Elbe
mit schöner Aussicht auf dieselbe,
Im September dann in Bayern,
das Oktoberfest mit feiern,
ein kleiner Trip noch in die Rhön,
dort war es schon immer schön.
Beim Bocksbeutel nah in Franken
lässt sich Energie auftanken,
und zum Wandern, ohne Zweifel,
eignet sich perfekt die Eifel,
ebenso auch die Vogesen,
dort sind viele schon gewesen,
Upps, das war jetzt ein Fauxpas:
Vogesen sind nicht Deutschland, klar,
doch was heut' immer noch passiert:
Sie werden von Deutschen okkupiert,
denn dort wie auch im Elsass daneben
lässt es sich steuergünstig leben.

Ja eine richtige Invasion,
die gab's vor ew'gen Zeiten schon,
doch ging's da nicht um Urlaub machen
noch Steuer sparn und solche Sachen,
denn vor gut zweitausend Jahren
am Mittelrhein die Römer waren,
hab'n mit Germanen sich gefetzt
und schließlich dort das Land besetzt.
An der Stelle wo der Main
fließt in den großen Rhein hinein
da sagte ein Zenturio:
Das ist Meins! (Mainz) Das war auch so!
Und Mainz ist es bis heut' geblieben,
die Römer wurden längst vertrieben,
um irgendwann zurückzukehren,
uns Pizza und Pasta zu bescheren.

Fahr'n wir rheinabwärts mit dem Schiffe
und stoßen auf gefährliche Riffe,
die uns mitsamt dem Kahn umhau'n
wenn kenternd wir nach oben schau'n,
dann sehen wir im Untergehn,
die Loreley, so wunderschön.
Und wenn wir, nach dem Badespaß,
am Ufer stehen, tropfend nass,
vor uns fließt der Vater Rhein,
es glänzt im Abendsonnenschein,
der Fels, das ist Romantik pur
und außerdem noch Weltkultur.
In Dresden man drauf verzichten muss,
denn dort geht 'ne Brücke über'n Fluss.
Doch ansonsten schippert's sich's fein,
auf der Elbe wie auf'm Rhein.
Wem das alles nicht behagt,
wer sich nicht in die Ferne wagt,
wen Gebirge, Meer und Sand,
Radeln durch das alte Land,
wen das alles nicht kann locken,
der bleibt halt zu Hause hocken
er surft, nicht grade sportlich eben
um virtuell was zu erleben,
und schaut sich seinen Urlaub dann
per Google Mail und online an.

Landidylle


Landidylle

Samstagmittag, alle Pflichten
sind getan, jetzt will ich dichten
Wollen ist noch nicht vollbringen,
wo find' ich, vor allen Dingen,
einen Ort hier, einen schönen,
wo ich kann der Muse frönen?

Dafür eignet sich, ich glaube,
hinterm Haus die Gartenlaube.
Solche schöne Landidylle
hat, gepaart mit Dichterwille
der Welt schon hohe Kunst beschert,
gepriesen, überall verehrt.

Setz' mich nieder mit dem Sinnen,
großes Werk wohl zu beginnen,
da tönt von rechts ein Rasentrimmer,
Nachbar Klein, der macht das immer,
scheint die Sonne samstags satt,
kein Grashalm eine Chance hat.

Das kann mich noch nicht empören,
ein Genie lässt sich nicht stören
von solch profanem Ungemach.
Ich grübele und denke nach.
Was reimt sich denn noch auf Fakt?
Hoppla, ich komm' aus dem Takt.
Werd' von dem Schaffen beinah träge,
da schallt von links die Motorsäge,
die Nachbar Schmidt grad heut' benutzt,
weil er die große Linde stutzt.

Ich schaue leicht entnervt nach drüben,
gewillt, noch Toleranz zu üben,
da hör' ich plötzlich schrille Töne,
das sind Lindenbeck und Söhne:
Die Kreissäge kommt in Aktion,
fürs Winterholz – wen stört das schon!?
Doch als wenn das alles wäre -
drauf ertönt die Heckenschere
mit dem klappernden Getöse.
Langsam werd ich aber böse.


Das geht wirklich auf den Wecker -
und jetzt kommt noch Schneiders Trecker
der das Kleinholz dann wegfährt
und auch sonst, was sich nicht wehrt
Egal, so ist's, bei uns im Ort
tobt Höllenlärm in einem fort,
denn der liefert den Beweis:
Hier herrscht Ordnung noch und Fleiß.

Muse, Künste und mein Dichten
sind von Wichtigkeit mitnichten,
wo weit im Umkreis jedermann
doch echte Arbeit zeigen kann.
Ich denk „was soll's?“ mach mir nichts draus
und hol' die Oropax heraus.
Doch mit Stöpseln in dem Ohr
bringe ich nicht mehr hervor
als nur Reime, echtes Dichten
lässt sich so niemals verrichten.
Womit ihr also hiermit wisst,
dies Gedicht ist wie es ist:
Ein Meisterwerk nur zweifelhaft
doch Schuld hat nur die Nachbarschaft.

Ganz privat


 Ganz privat mit den "Privaten" - Viele Leute leben nach dem Motto:
"Ich zappe, also bin ich!" Von einer Reality- Show zur nächsten Doku-Soap. Man nimmt an den Alltags- und Beziehungsproblemen der Protagonisten von GZSZ oder "Unter uns" teil, als seien es reale Bekannte. Peter Zwegat rettet aus der Schuldenkrise, Tine Wittler macht von Alt auf Neu. Und den Machern dieser Sendungen geht es zumeist nicht in erster Linie um wirkliche Hilfe, sondern um Quoten. Und da ist der schräge Typ mit einer konstruierten story passender als ein "normaler" Hilfebedürftiger. 

Ein kleines Gedicht zu diesem Thema: 


Mitten im Leben, Zuhause im Glück
SAT 1, Pro Sieben, und zurück
auf RTL: Alles was zählt:
Mein dunkles Geheimnis, das mich so quält.
Die strengsten Eltern, Frauentausch,
Shopping Queen und dann ein Plausch
mit Britt und Vera oder auch
soll's seriös sein Günther Jauch


Dschungelcamp und Knallerfrauen
Tine Wittler, fit im Bauen
auch Richter Hold hilft wunderbar
und Deutschland sucht den Superstar
dann Explosiv und Aktuell
denn all das bringt uns RTL
Die letzte Frage wiegt noch schwer:
Wer wird denn heute Millionär?


Die Bauretter, dann Schnäppchenhaus,
der Trödeltrupp rückt wieder aus
„Auf Streife“ und „Verklag mich doch“
„Anwalt im Einsatz“ fehlte noch
Raus aus den Schulden – leicht gemacht
Einsatz am Herd, dann Küchenschlacht
Köln (und dahinter Postleitzahl)
Berlin Tag /Nacht, du hast die Wahl


Supertalent und Top-Modell
oder himmlisches Hotel
einer wird und bleibt Gewinner,
ebenso beim Promidiner
Bachelor, Bauer sucht Frau,
Flirt und Fiasko, Model-Show,
all das wird uns noch begleiten
in Guten Zeiten, Schlechten Zeiten

Frühling


Am Strauch sind vom Vorjahr noch Blätter,
ganz braun - grün find ich sie netter.
Sie rascheln zufrieden,
jetzt zu den Iden
des März, bei dem Frühlingswetter



Die Pflaumen blühn volle Kanne,
hau'n den Winter in die Pfanne.
Sie tun grad als sei,
es beinah' schon Mai,
dazu schweigt die Weihnachtstanne



Die Amseln bauen seit gestern
im Garten an ihren Nestern.
Sie singen so schön,
wer kann es verstehn,
ob sie nur reden oder lästern?



Ich könnt' die Unkenrufer hassen,
die den Sommer jetzt schon verpassen,
weil sie sich erlauben,
nicht an ihn zu glauben
und düst're Prognosen loslassen



Der Sommer kommt, keine Frage,
die Hoffnung ist nicht bloß vage:
Hauptsache warm,
dann hat er Charme
und bringt Farbe für kältere Tage

November


November ist so eine Zeit
mit ganz besondrer Atmosphäre
wo ich von Sommerfarben zehre
und denk an die Vergangenheit

Erlebnisse so vieler Jahre,
sie ziehn vorbei, sagen „remember!“
und bald kommt wieder der Dezember,
ich zupfe mir zwei graue Haare

Die Eltern sind jetzt selbst die Alten,
und die von damals sind gegangen,
doch hat nichts Neues angefangen,
es ist ein stetes Umgestalten

Uns überkam so schnell die Reife,
und Kinder haben wir geboren,
die Jugend haben wir verloren,
wobei ich das nicht ganz begreife

Das Jungsein ist vielleicht vorbei,
würd' ich's rein optisch nur betrachten,
doch einfach auf mein Inn'res achten,
macht mich wie früher, jung und frei!

Wahlparty


Hebt die Gläser, hoch die Tassen!
Wir sind spitze, das ist klar,
dem Absolutismus nah,
so woll'n wir uns feiern lassen.

Kommt, wir gehn noch eine heben,
reiner Wein wird eingeschenkt,
jedem außer uns, der denkt,
wir hätten was abzugeben

Ja, die Gelben hört man stöhnen:
Ihr Konzept ging reichlich schief,
doch wir werden exklusiv
auch ihr Klientel verwöhnen

Brachten Geld unter die Leute:
Annähernd eine Million
Millionäre gibt es heute
in unserer Top-Nation

Arme packen wir in Watte,
Wahnsinns gut geht's denen hier,
denn sie heißt bei uns Hartz IV,
die soziale Hängematte

Doch sie sind reichlich undankbar,
wollen uns beharrlich stören.
Viele der verzognen Gören
fordern Arbeit, wirklich wahr!

Einen Absacker wir trinken
auf den Rest Opposition,
der noch da ist, er wird schon
recht bedeutungslos versinken

wahllose Gedanken



Oh Wahlomat, was wähl ich bloß,
kannst du's nicht für mich richten?
Ich find die Sache fürchterlich
und würd' viel lieber dichten.

Hilf' mir nur noch dies eine Mal
ein wenig auf die Sprünge!
Befrage mich konkret zur Wahl,
dass ich die Antwort bringe.

Piraten, Grüne, SPD
und wegen mir Schwarz-Gelbe.
Sag mir, ob ich das richtig seh:
Ist es nicht all das Selbe?

Oh Wahlomat, ich sag es dir,
du raffinierter Hund:
Du fragst und legst die Antwort mir
schon fertig in den Mund!

Und außerdem, ganz mit Verlaub,
wie machst du es denn bloß,
dass ich die Wahl zu haben glaub
und bin doch meinungslos?

Du hast es drauf, du machst dein Ding
und darauf kann man zählen.
Ich würde gern, wenn es nur ging
die Wahlomaten wählen.

Der kleine Prinz




Du bist in unsre Welt getreten
als Exupery's bekannter Sohn,
warst unterwegs auf den Planeten
in durchaus menschlicher Mission

Erlebtest schräge Episoden,
wie das ein Prinz bisweilen tut,
brachtest Gelehrte auf den Boden:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut!“

Du triebst mit manchen Lebewesen
Philosophie von hohem Wert,
ich habe einen Teil gelesen
und du hast mir die Welt erklärt

Doch war es so, dass ich nach Jahren,
dich einfach nicht mehr wieder fand.
Ich bin viel hin und her gefahren,
die Hoffnung, dich zu treffen,schwand.

Mit uns steht's grade nicht zum Besten.
Warum? Du fehlst uns, das ist klar!
Da heißt es aus dem Land im Westen:
„Hurra, der kleine Prinz ist da!“

Ach Prinz, auch wenn sie alle spinnen,
ich freu mich still, lass' dich in Ruh':
Wirst einst mit Reden du beginnen,
dann hoff' ich, es hört jemand zu!

Doch dann, mein Prinz, ich bitt' dich leise,
sprich nur, was du zu sagen hast.
Sprich wie der vor dir, er war weise,
wenn schon nicht ganz, wenigstens fast!

Schlüsselfragen



Ein Schlüssel auf der Flurablage,

der stellte sich die Schlüsselfrage:

Wo komm ich her? Wer bin ich, und

warum häng' ich am Schlüsselbund?



Ich lieg' hier auf dem Schlüsselbrett,

es staubt, es zieht, das ist nicht nett.

Ich und meinesgleichen passten

doch gut in einen Schlüsselkasten

erwarteten dort mit Passion

unsre eigne Schlüsselfunktion.



Ob wir noch neu sind oder alt:

Uns obliegt die Schlüsselgewalt!

Den Schlüsseldienst wir gern ausüben,

weil wir das feine Knacken lieben,

welches entsteht beim Kopulieren

mit dem Schloss verschiedner Türen

Wenn wir beschließen, uns zu drehen,
so wird die Tür bald offen stehen,

oder versperrt sein wie ein Grab,

das hängt ganz von der Richtung ab,

in die wir schließlich uns bewegen:

Vom Rahmen weg, oder dagegen.



Wär' ich der Schlüssel General
das gäbe Macht mir allemal,

müsst' nicht bei den meisten Türen

ohne Funktion kapitulieren.



Doch bin ich was so viele sind:

Ein unerfahrnes Schlüsselkind,

auf der Suche immerfort

nach dem rechten Schlüsselwort.

Wer schlüsselt mir, ich wart' darauf,
schlusendlich Daseins Sinn mir auf,

dass dieser sich mir ganz erschließt

und mich mit Weisheit übergießt,
wo ich wieder beim Anfang wär:

Wer bin ich denn? Wo komm ich her?

30 Jahre Abitur


30 Jahre Abitur

Wir trafen uns wieder nach dreißig Jahren,
mit großer Erwartung, etwas Grau in den Haaren.
Gespannt, schnell erkannt, und wir waren gut drauf,
schon fast so wie früher, wir mischten uns auf
Wir fingen an zu singen, da gab es kein Halten,
doch nicht solche Sachen wie damals die Alten.
Unsre Lieder, wir denken, sie sei'n aktuell,
doch viele Idole took the highway to hell. (or to heaven, who knows?)


Wir führ'n unsre Listen jetzt online exakt
mit Infos über jeden, so bleibt der Kontakt,
doch zwei Kreuze sind da, das lässt uns nicht kalt,
sie war'n doch auch jung, warum wurden sie nicht alt?
Noch mehr Lücken gibt's, denn kein Mensch weiß wo,
die Monika abblieb, oder der Flo.
Irgendwo werden sie sein auf der Welt -
hatten sich's wohl anders vorgestellt.


Wir erzählten uns wieder die alten Geschichten,
wie damals, nur sind wir jetzt besser im Dichten,
wir machten uns manches als sei's so passiert,
wie das Äuß're, dem Anlass entsprechend kaschiert.
Wir waren begeistert: So viel' tolle Leute!
War'n sie so auch früher, oder sind sie's nur heute?
Ja, die Zeit kann statt grausam auch wohlwollend sein,
dachten wir, so zusammen, beim letzten Glas Wein.


Wir wissen beim Auseinandergehn,
fünf Jahre wird’s sein bis zum Wiedersehn.
Die einen sind große Koryphäen,
die in den Hörsälen Wissen säen,
Musiker, Künstler haben wir hippe,
und viele von der Normalo-Sippe.
Fünf Jahre jetzt werden wir untertauchen,
dann wieder uns treffen, weil wir das brauchen.

Im Keller




Heute war der Fleiß mal schneller,

und ich bin bei uns im Keller,

ganz zu Höchstform aufgelaufen,

hab' geschafft, ohne Verschnaufen.

Kellertreppe, diese enge,

räumte frei ich von Gemenge:

Achtundzwanzig meiner Schuhe

habe ich sortiert in Ruhe,

den nach hier und den nach dort:

"Hier" behalt' ich, "dort" heißt fort!



Ringsumher nur Nägel, Schrauben,

Durcheinander, kaum zu glauben!

Wer das nur war?“ schimpf ich empört,

räum's drauf weg, wohin's gehört.



Und dann hol ich – volles Rohr -

Staubes Sauger noch hervor.

Fest steht: Heute gibt’s hier drinnen

für die Spinnen kein Entrinnen!

Ich zerfetze ihre Netze
und sie fliehn in wilder Hetze,

anstatt weiter dran zu weben,

denn es geht ums Überleben.



Ist der Strom dann abgeschaltet,

Arbeitswut schon halb erkaltet,

hol den Wassereimer ich,

wenn schon, denn schon, ordentlich.


Ach, das ist so wunderschön

und beinahe schon obszön

an gescheuert-blanker Pracht

und der Schmutz-Vernichtungs-Macht,

mich unaufhaltsam aufzugeilen,

ganz im Putzrausch zu verweilen.





Doch dann, im Zusammenräumen,

noch in Meister-Propper-Träumen,

krabbelt in der Abfließrinne

schon die nächste Kellerspinne.

Sisyphos der lässt schön grüßen,

ich zertret' sie mit den Füßen,

denk: Es hat doch keinen Zweck:

Nach dem Dreck ist vor dem Dreck!





(Fazit: Tret ich Spinne, putz ich Fliese,

es ist immer für die Füße!)

Sommerabend


Sitz' im Garten, unverdrossen,
hab' 'nen Sonnentag genossen,
neue Blüten sind gesprossen,
Regen, Flut hinweg geflossen.

Ob der Sommer wieder blufft,
dieser windig-kühle Schuft?
Nein, ich fühl' nebst Blütenduft
jede Menge warme Luft.

Luft, die mir zu Kopfe steigt,
noch wenn sich der Abend neigt,
mich in den siebten Himmel geigt,
zumindest etwas von ihm zeigt.

Lange Tag, helle Tage,
hitzefrei – Terminabsage!
schulterfreie Blickablage,
die ich heut' zu tragen wage
Hochdrucklage, Mückenplage,
das ist alles - keine Frage -
des Poeten Steilvorlage!

Unberechenbar


Zweitausendelf, da war der Zensus,
wir hatten dafür keinen Sensus,
doch jetzt hab'n wir den Salat,
denn arm an Bürgern ist der Staat!
Im Ganzen anderthalb Million,
die, dachten wir, es gäb sie schon:
Die gibt es nicht, die gab es nie,
die war'n erdachte Fantasie!

Der Staat, draus keinen Hehl er macht,
dass er auch einmal Fehler macht,
dabei gibt es Beamte reichlich,
verwaltet wird da unausweichlich,
doch beim Erfassen aller Klassen
in Massen musste man da passen,
und das belastet nun die Kassen.

Manche Großstadt, das ist Fakt,
die wird nun Kleinstadt, wie beknackt!
Ob sie das finanziell wohl packt?
Nur so zum Beispiel Siegen,
der Name scheint zu trügen:
Kein Sieg, kein Plus und kein Gewinn,
der Großstadt-Status, der ist hin!

Will man den Stand der Dinge deuten,
so sind zwei Drittel von den Leuten,
die virtuell abhanden kamen
Migrantenherren oder -damen.
Die Fatma und der Ramazan,
sie blieben doch in Kurdistan.
„Pro Köln“ frohlockt und ebenso,
sind Sarrazinianer froh.

Dann merkte man in einem Zug
der Wohnungen gibt es genug,
Da kam doch nochmals Freude auf,
Probleme gibt es sonst zuhauf.
Der Zensus sei hier mal zu loben,
denn dies' Problem hat er behoben:
Durch rein statistische Erhebung
gab’s eine Wohnungsmarkt-Belebung.
Das Wohnraum-Plus freut einen dann,
wenn man die Miete zahlen kann.

Das Fazit: Zensus hin und her,
Menschen weg und Wohnraum mehr.
Ob ich mir so was antun muss?
Ist das der Wahrheit letzter Schluss?
Leben ist schön - und leben lassen!
Das kann der Zensus nicht erfassen!

Von Vögeln



Am frühen Abend, in der Buchengruppe
hoch oben putzt die Amsel ihr Gefieder.
Es ist ein Männchen, täglich kommt es wieder,
der Frühlingsregen ist ihm völlig schnuppe

Dann schließlich ist die Prozedur zu Ende,
nun singt er seinen ersten Ton, noch leise.
Er schaut sich um: Das war nur probeweise!
Und spuckt, rein bildlich, kräftig in die Hände.

Denn irgendwo, zweihundert Meter weiter,
über die Straße, in den Lindenbäumen,
beginnt grad' eine Amselfrau zu träumen,
und unser Herr: genau um diese freit er!

Nun setzt er an, es ist fast kaum zu glauben,
heraus kommen dabei 'ne Menge Töne,
und das sind ausnahmslos nur wunderschöne,
was andres kann er sich auch nicht erlauben.

Denn irgendwo dreihundert Meter weiter
sitzt schon die Konkurrenz auf der Laterne,
der hätte selbst die Amseldame gerne
und gibt sich darum ausgesprochen heiter.

Sie hört den andren die Register ziehen,
der tiriliert enorm, legt richtig los - Nein:
Sie merkt: Der Notstand muss bei ihm schon groß sein,
Bei so viel Stalking bleibt ihr nur das Fliehen.

Und irgendwo, jetzt ziemlich um die Ecke
Hat sie sich dann genervt niedergelassen,
mein Amselmann, er kann sein Glück kaum fassen
und schmeichelt: „Du, ich wohn' dort in der Hecke!“

Er flötet wahrhaft endlose Tiraden,
das klingt beinah als ob er sich selbst aufhetzt
und jedes Mal dabei noch einen drauf setzt,
doch so ein Mittel kann dem Zweck nicht schaden.

Und schließlich hat er doch Erfolg, der Freier,
was folgt ist wildes Vögeln im Geäste,
nach etwas Ruhe bauen sie das beste
und schönste Nest für ihre kleinen Eier

Dein altes Leben




Du wohnst in einem neuen Haus, mit Energiesparausweis, 
Iso-Festern, Solarplatten auf dem Dach, Erdwärmeheizung und dem 
ganzen Schnickschnack, den man heute halt so hat.
Auch ein paar Ikea-Möbel sind dabei, denn das ist angesagt immer noch,
und du willst ja schließlich mit der Zeit gehen. 
Aber auch, weil das Haus doch etwas teurer  geworden ist 
als du dachtest.

Du wohnst in einem neuen Haus, mit deinem alten Leben. 
Das wolltest du eigentlich entsorgen, als damals der Container 
kam. Aber so einfach ist das nicht!

Dafür gab es keine Kategorie, wo es herein gepasst  hätte.  Am ehesten 
noch der Bio-Müll! Aber etwas sperrig ist es auch, dein altes Leben. 
Und außerdem - jede Menge Problemabfall!



Dein Kind trägt einen sehr modernen Namen. 
Avantgardistisch, einzigartig!

Es trägt ihn, auch wenn ihm das mit der Zeit etwas 
schwer wird.

Dein Kind ist etwas Besonderes, Unvergleichliches. 
So etwas ist noch nie da gewesen. Nein, wirklich nicht! 
Nein - wirklich nicht!
Doch schaust du es an, schaust du ihm in die Augen, 
dann siehst du – dein Kind!

Dann siehst du das Einzige, was dich noch an dich selbst 
erinnert, an dich, an dein altes Leben!



Dein Arbeit von damals hast du zum Glück immer noch. 
Sie ist jetzt dein Job. Manchmal tust du neue Dinge, 
dann bist du innovativ.
Die Besprechung am Montagmorgen nennt ihr heute 
coaching.  Im Kalender, dem elektronischen, steht dein individuelles
timing.  Auch wenn du durch die Zeitfenster nicht durchblickst.
Dein Kollegium von damals hat sich ein bisschen verändert. 
Es ist heute dein Team.

Wenn ihr zusammen überlegt ob etwas gut und sinnvoll ist, 
macht ihr jetzt Evaluation. Du hast lange gebraucht, bis du 
bei dem Wort Evaluation nicht mehr automatisch an Charles Darwin 
gedacht hast.

Eigentlich weißt du: Auf Äußerlichkeiten kommt es nicht an.
Aber mit den Jahren musstest du feststellen, dass sich vieles an 
dir nicht von selbst erhält. Und dann hast du eben begonnen, erst 
mit Tönen, dann mit Färben, mit Schminken und Solarium, mit 
regelmäßigem Sport und Diät, um das Gewicht zu halten, jetzt, in der Lebensmitte.  
Und schließlich hast du sogar - du sagst es  nicht gerne, und eigentlich 
weiß es auch niemand - dann hast du sogar begonnen mit absaugen und 
aufspritzen, bzw. du hast es machen lassen.
Und wenn du dann vorm Spiegel stehst, fertig gestylt, dann lächelst du
dich an und bist zufrieden.
Du lässt dich eben nicht gehen, so wie andere. Du tust etwas! 
Und wenn du  dann vor dem Spiegel stehst - abgeschminkt - dann 
vermeidest du einen  weiteren Blick. Doch wenn du es tun würdest, 
wenn du dir in die Augen schautest, ungeschminkt, dann würdest du 
vielleicht noch etwas sehen,  von dir, so wie du eigentlich bist,
von deinem alten Leben!


Du hast dich verändert. Jedenfalls deine Oberfläche.

Du bist gelebt worden, jahrelang, und das intensiv!

Um den Schmerz darüber nicht durch zu lassen, 
hast du dir Klarlack auf deine Seele geschmiert. Und wenn dich
jemand fragt: „Alles klar?“  Dann sagst du: „Alles klar!“
Und es ist noch nicht mal mehr gelogen.

Dein neues Leben ist immer auch dein altes Leben. 
Du nimmst dich überall mit hin!

Im Netz



Vor längrer Zeit, wohl fünfzehn Jahren,
vielleicht auch noch nicht ganz so lang,
war's allseits üblich unter Paaren
am Samstagabend wegzufahren,
man hatte dabei null Empfang

Kein Handy piepte um uns ständig,
bereitete den Nerven Qual,
das Surfen, wenn man's tat, war trendig
und zwar nicht cyber, nein, lebendig,
umnetzt von Wasser allemal

Das smartphone war noch nicht Bestandteil
von unsrem Taschen-Inventar.
Man bot auch damals schon viel Tand feil,
nicht online, das liegt auf der Hand, weil
e-bay noch nicht vorhanden war

Ich sehn' mich nicht nach andren Zeiten,
die waren auch nicht immer nett,
doch damals gab's mehr Möglichkeiten
sich live zu treffen, live zu streiten,
stattt dessen hat man heut' die Flat.

Doch für das Netz ist's symptomatisch
und kaum zu spürn – wie sag' ich's bloß? -
man nutzt es mit der Zeit fanatisch,
vergisst die Zeit, und automatisch
lässt es einen nicht mehr los

Bist du erst einmal festgehalten,
im Netz verstrickt, das ist nicht schön.
Doch um 'was Neues zu gestalten,
kannst du es immer noch abschalten
und einfach mal nach draußen gehn

Mensch und Hund




Bin jetzt auf den Hund gekommen,
hab' 'ne Woche freigenommen,
werd' zum Hundetrainer gehen
um ihn richtig zu verstehn
Er wird schon parieren,
was soll schon passieren?
Meine Töle, wenn ich gröle: Sitz!
Macht er das wie der Blitz
Er sitzt und flitzt auf meinen Pfiff,
ich hab ihn voll und ganz im Griff

Werd' auf der Arbeit kommandiert
und alle Tage schikaniert,
doch hier schaut einer zu mir auf
und läuft, wenn ich ihm sage „Lauf“,
er ist klein und ich bin groß,
er hört auf mich bedingungslos
denn hier ist mein Revier:
Einmal im Leben Alpha-Tier!

Versichert ist er ohne Ende
gegen Biss und Alimente,
ganz ohne Provision
besorgen die das schon
Macht mein Hund beim Gassi-Lauf
einen dicken Hundehauf
hol ich die Schaufel, das muss sein
und packe ihn sorgfältig ein,
leg ihn dann in Papier
dem Nachbarn vor die Tür,
dem mit dem schwarzen Dobermann,
den ich partout nicht leiden kann.
Ich zünde, klingel und versteck mich
Er öffnet, tritt hinein, schreit: „Leck mich!“
Ach wie ist das schön,
mit einem Hund zu gehn!

Vogelflug im März





Sie träumen von ihren Ahnen,
die Ibikus' Mörder einst stellten
und ziehen ruhig ihre Bahnen,
die Route verlassen sie selten


Sie flattern nicht – stetig sie gleiten
in wandelnden Formationen,
mal vorne, mal an den Seiten,
im Aufwind die Kräfte sie schonen


Ein jeder dem andren verbunden,
von Raum und Zeit sie nichts wissen,
so fliegen sie Tage und Stunden,
die sie doch niemals vermissen


Asphalt unter meinen Füßen,
doch ist mir als ob ich fast schwebe.
Der Frühlingswind lässt mich grüßen,
und flüstert: „Die Freiheit – sie lebe!!“

Kleines Schicksal


Als ich heut' das Sofa rückte
und die Kissenlehne drückte,
einfach nur der Ordnung wegen
und um mich darauf zu legen,
zerdrückte ich eine Milbe,
die sagte keine Silbe.
War ihr Schicksal noch so hart,
sie trug es still, nach Milbenart.
Und ich glaub',
jetzt ist sie Staub

Winter-Gedanken



Weiß der Schnee

hellgrau der Himmel

kalt die Luft

Und ich seh'

Schneeflock-Gewimmel,

riech' den Duft

vom Holzkamin

Ich füttere ihn

und denk mir: Wie nett

wär's jetzt hellviolett

den Krokus zu sehn

Seidelbast

und Haselblüte

erste Frühlingsstrahlen

ja, das passt:

Habt ihr die Güte?

Kommt, und legt den fahlen

Winter brach,

und danach

kann es weitergehn.